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Warum hochbegabte Kinder oft schwer Freunde finden

  • Autorenbild: Denise Tollkamp
    Denise Tollkamp
  • vor 2 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Wieder keine Einladung. Du spürst den Stich. Jedes Mal auf´s Neue.

Wenn dein Kind nicht eingeladen wird, tut das weh. Für dich und für dein Kind. Gruppenarbeit in der Schule wird zur Herausforderung, weil dein Kind abseits steht. Es spricht anders. Denkt anders. Fühlt anders. Während es begeistert von schwarzen Löchern erzählt, lachen die anderen Kinder. Für viele ist das einfach "zu viel".


Und dann kommt die Frage, die sich fast alle Eltern irgendwann stellen: Haben wir etwas falsch gemacht?

Nein. Ihr macht nichts falsch. Und euer Kind ist nicht falsch. Es wird nur oft falsch verstanden.


Nicht unsozial, nur nicht passend zur Mehrheit

Viele hochbegabte Kinder erleben Einsamkeit. Nicht, weil sie unsozial sind, sondern weil sie nicht in jede Gruppe passen. Sie hinterfragen, denken in anderen Bahnen, wirken reif, eigen, manchmal "merkwürdig". Für Gleichaltrige ist das oft schwer greifbar. Selbst Erwachsene können ein solches Kind manchmal nur schwer einordnen. Manchmal müssen wir uns selbst ins Gedächtnis rufen, dass sie Kinder sind, auch wenn sie über einige Themen sprechen können, wie Erwachsene.


Statt Spielplatzfreunden stehen häufig Bücher, Ideen und Gedanken im Mittelpunkt. Das Kind sucht Tiefe, wo andere Kinder Tempo und Leichtigkeit suchen. Beides ist richtig, nur eben nicht zusammen.


Warum das so ist

Hochbegabte Kinder sind schlau genug, um sich anzupassen und mitzumachen, um dabei zu sein. Nur macht das selten glücklich, und förderlich ist es auch nicht. Auf Dauer bleibt oft ein Gefühl von Fremdheit, selbst inmitten einer Gruppe.


Die meisten hochbegabten Kinder fühlen sich zu Gleichgesinnten hingezogen. Zu Kindern, die auf einem ähnlichen gedanklichen Niveau sind, nicht aber zwingend im selben Alter. Das kann bedeuten: Ein Kind spielt lieber mit einem zwei oder drei Jahre älteren Kind, weil Gespräche, Rollenspiele und selbst Brettspiele auf Augenhöhe einfach besser funktionieren. Das gilt es auch bedenken, wenn die Frage eines Klassensprungs oder einer früheren Einschulung im Raum steht.


Wo passende Kinder zu finden sind

Wirklich gute, langjährige Freundschaften entstehen oft gerade unter hochbegabten Kindern. Nur: Solche Kinder zu finden, ist nicht immer einfach. Ein paar Ansatzpunkte:

  • Ältere, durchschnittlich begabte Kinder (2–3 Jahre älter) sind oft ein guter Match für Rollenspiele, Gespräche und Brettspiele.

  • Bestehende Geschwister oder Freunde, mit denen das Kind aufgewachsen ist. Vertraute Bindungen tragen oft mehr, als neue Kontakte erst herstellen zu müssen.

  • Interessenbasierte Angebote wie Schachvereine, Mensa-Gruppen oder spezialisierte Kinderangebote für (hoch-)begabte Kinder. Dort treffen Kinder aufeinander, die ähnlich schnell denken, ähnliche Überlegungen anstellen und mitunter sogar ähnlich spielen.


Wichtig dabei: Es braucht keine Masse. Da hochbegabte Kinder ohnehin eher ein bis zwei gute Freundschaften pflegen als viele oberflächliche Kontakte, reicht oft schon ein einziger Spielpartner auf Augenhöhe, um das Leben des Kindes spürbar zu bereichern.


Was Eltern konkret tun können

Begleiten statt retten. Es ist nicht eure Aufgabe, dem Kind Freundschaften zu organisieren oder es in Kontakte zu drängen, die nicht passen. Es hilft mehr, aktiv nach Anlaufstellen zu suchen, ohne dabei Druck aufzubauen.


Und: Die eigene Sorge nicht auf das Kind übertragen. Nicht jedes Kind leidet gleich stark unter fehlenden Kontakten. Manche Kinder sind mit ein oder zwei engen Freundschaften vollkommen zufrieden, auch wenn das von außen "wenig" aussieht.


Häufige Fragen (FAQ)

Ist mein Kind unsozial, wenn es keine Freunde hat? Nein. Die meisten hochbegabten Kinder wünschen sich Kontakt. Nur eben zu Kindern, mit denen echte Verbindung möglich ist. Das ist ein Passungsproblem, kein Sozialdefizit.

Sollte ich mein Kind zu mehr Kontakt "zwingen"? Nein. Druck erzeugt selten echte Freundschaft. Sinnvoller ist es, Gelegenheiten zu schaffen, zum Beispiel über Interessen, und dem Kind die Wahl zu lassen, wie viel Kontakt es davon annimmt.

Was, wenn selbst andere hochbegabte Kinder nicht zueinander passen? Auch das kommt vor. Hochbegabung allein ist keine Freundschaftsgarantie. Trotzdem erhöht der Kontakt zu ähnlich denkenden Kindern die Chance auf eine passende Verbindung deutlich.

Wie unterstütze ich mein Kind, ohne es zu bemuttern? Indem ihr Möglichkeiten anbietet, statt Lösungen vorzugeben. Ein Angebot machen, dranbleiben, aber dem Kind die eigene Entscheidung lassen, wem es sich öffnet.


Beratung und Begleitung

Wenn ihr unsicher seid, wie ihr euer Kind bei der Suche nach echten Freundschaften unterstützen könnt, oder wenn die Einsamkeit eures Kindes euch selbst belastet, kann ein Blick von außen entlastend sein.

In meiner Beratung sprechen wir über:

  • eine strukturierte Einschätzung der aktuellen Situation

  • Einordnung, warum soziale Passung bei hochbegabten Kindern anders funktioniert

  • Anlaufstellen und Strategien für den Alltag

  • Unterstützung, wie ihr euer Kind begleiten könnt, ohne es zu bevormunden


Ziel ist nicht, ein Problem zu "lösen", sondern Verständnis zu schaffen und dem Kind einen Weg zu echter Zugehörigkeit zu eröffnen.



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